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Volker Bräutigam, ehem. Redakteur der Tagesschau, hat beim Rundfunkrat offiziell Beschwerde wegen verfälschender Berichterstattung in Sachen Ukraine eingelegt. Was ihm entgegen gebracht wird, ist - schlicht - Arroganz! Den Schriftwechsel mit der Institution macht er öffentlich. 0815-Info berichtet nachfolgend:

 


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Meine Beschwerde v. 23.11.2014 wg. irreführenden Ukraine-Berichts, Tagesschau v. 21.Nov. 2014

Volker Bräutigam
Adlerweg 1

 

23879 Mölln
01.12.14

An
Frau Ute Schildt
Vorsitzende des NDR-Rundfunkrates
p. E-Mail Gremienbuero@ndr.de

Herrn Lutz Marmor
p. E-Mail l.marmor@ndr.de
Rothenbaumschaussee 132
20149 Hamburg


Meine Beschwerde v. 23.11.2014 wg. irreführenden Ukraine-Berichts, Tagesschau v. 21.Nov. 2014
Hier: Verweigerung der Behandlung meiner Beschwerde /
Ihr Brief v. 26.11.2014

Sehr geehrte Frau Schildt, sehr geehrter Herr Marmor,

hiermit widerspreche ich nicht einfach nur dem Standardschreiben Ihres Stabes, meine Beschwerde sei gem. „ARD-einheitlichen Programmrichtlinien (vgl. beim NDR Abschnitt A Ziffer IV)“ an den WDR zur Behandlung weitergeleitet worden. Vielmehr erhebe ich ausdrücklich Beschwerde gegen diese weitere, nunmehr formale Verletzung der dem NDR staatsvertraglich aufgegebenen Pflicht, Beschwerden über Falschberichterstattung anzunehmen und selbst zu bearbeiten.

Meine von Ihnen auf die WDR-Bank geschobene Beschwerde galt nicht einem Verstoß gegen die ohnehin mageren Programmrichtlinien der ARD, sondern einem Verstoß gegen den NDR-Staatsvertrag (Programmauftrag, Programmgrundsätze, Programmgestaltung) im Rahmen der Tagesschau. Diese Sendung veranstaltet der NDR, nicht der WDR. Die ARD ist zudem keine Rechtspersönlichkeit, nicht einmal ein eingetragener Verein. Weder kann sie Adressat noch dürfte sie auch nur Organisator für die Behandlung von Programmbeschwerden sein. Der Standardbrief des NDR läuft faktisch darauf hinaus, dass sich der Sender selbst partiell zur reinen Abspielstation erklärt, ohne eigene redaktionelle Verantwortlichkeit für alle nicht von ihm selbst produzierten Nachrichtenteile. Eine absurde Selbstdefinition; der Widerspruch zu den Bestimmungen des Staatsvertrags über den NDR ist evident.

Erkennbar beruht der bodenlos arrogante Umgang der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mit ihrem kritischen Publikum darauf, dass es keine neutrale Berufungsinstanz gibt, bei der das Recht auf korrekte und sachgerechte Beurteilung von Programmbeschwerden einklagbar wäre. Ein Zivilrichter müsste urteilen, dass der Kläger zwar ein verständliches Interesse an sauberer Information habe, dass ihm jedoch der Gesetzgeber kein individuelles Recht darauf einräume. Zum Ausgleich für diese prachtvolle Gesetzeslücke darf der Hörer/Zuschauer ordentlich Rundfunkgebühren zahlen. Und kann mit den beschränkten Mitteln des Beschwerderechts seine staatsfrommen Sender wie den NDR nicht zu seriöser, unabhängiger Programmgestaltung bringen. Ihr überheblicher Umgang mit Kritikern und Kritik machen das unmissverständlich klar.

Solange die Machtverhältnisse so sind, wie sie sind, wird sich demnach auch kaum etwas an der friedensgefährdenden, USA-hörigen und russlandfeindlichen Tendenzberichterstattung in den Informationssendungen der öffentlich-rechtlichen Anstalten ändern. Was das letztlich für Schäden an der demokratischen Verfasstheit unsres Gemeinwesen anrichtet und wie es sich auf die Zukunft des einst als unabhängiges Korrektiv gedachten öffentlich-rechtlichen Rundfunks auswirkt, muss jeder für sich selbst bewerten. Auch Sie.

Noch gilt allerdings, dass Sie Beschwerden zumindest entgegenzunehmen und zu lesen haben. Ich lege Wert darauf, dass Sie das auch mit diesem Schreiben tun.

Höflich grüßt
Volker Bräutigam

P.S. Ich sehe keinerlei Grund mehr, den Schriftwechsel mit Ihnen als privat zu behandeln. Sie vertreten eine öffentlich-rechtliche Institution, und das Publikum sollte sich selbst ein Urteil bilden können, mit welchem Verständnis Sie das tun.

 

Volker Bräutigam
Adlerweg 1
23879 Mölln

01.12.14
An

Frau Ute Schildt
Vorsitzende des NDR-Rundfunkrates
p. E-Mail Gremienbuero@ndr.de
Rothenbaumschaussee 132
20149 Hamburg

Tagesschau-Falschmeldungen im April 2014 („OSZE-Militärbeobachter“ anstatt BW-Spione)
Ihr Schreiben v. 17. 11. 2014: Abweisung meiner Beschwerde


Sehr geehrte Frau Schildt,

reichlich herablassend haben Sie und Ihre Gremien meine o.g. Beschwerde zurückgewiesen. Die Redaktion von ARD-aktuell habe

„...überzeugend dargelegt, dass sie die Einwände gegen die Verwendung dieses Begriffs („OSZE-Militärbeobachter“, V.B.) geprüft und die vereinfachende Formulierung als verantwortbar befunden habe, (...).“

Der Rundfunkrat sei

„darüber hinaus zu der Auffassung gekommen, dass das Vereinfachen und Verdichten von Informationen übliches journalistisches Handwerk ist (...)“

Ich versichere, nach mehr als 30 Berufsjahren als Redakteur (davon ein Jahrzehnt Tagesschau-Redakteur), das journalistische „Handwerk“ zu kennen – und damit den Unterschied zwischen Vereinfachen und Verfälschen. Ich bin zwar mit 73 Jahren noch nicht zu alt, um dazu zu lernen. Aber eindeutig zu alt, mich von dafür nicht Qualifizierten von oben herab belehren zu lassen.

Ich kann auch erkennen, wann ARD-aktuell „überzeugend“, im vorliegenden Falle also krampfhaft, eine bewusste Falschinformation zu kaschieren sucht. Der ARD-aktuell-Chefredakeur Kai Gniffke probierte das in verkorkstem Deutsch so:

„ (...) Wir hätten uns bei der Formulierung “OSZE-Beobachter” eher eine andere Formulierung wählen können. (...) Wir hätten evtl. die NATO-Position noch kritischer hinterfragen können.“

(Quelle: http://blog.tagesschau.de/2014/09/29/zwischenbilanz-der-ukraine-konflikt-in-der-tagesschau/)

Hätten sie. Haben sie aber nicht. Das ist ja das Elend mit dieser Tagesschau. Der werte Herr Chefredakteur gibt in seinem Blog zu, was Sie namens des Rundfunkrates nun wieder bestreiten, indem Sie meine Beschwerde zurückweisen: „Möglicherweise sind wir zu leicht dem Nachrichten-Mainstream gefolgt“ (Gniffke, ebd.)

Möglicherweise? Nee, alter Freund. Ganz sicher.
Das Elend mit dem NDR ist, dass dort noch nicht mal die eine Institution weiß, was die andere schreibt.

Nach meinem Eindruck hat man es mit einem Weichspüler von Falschinformation und NATO-konformistischen Nachrichtenkneter an der Spitze von Tagesschau und Tagesthemen zu tun - und mit einem Rundfunkrat, der kein demokratisches Korrektiv mehr darstellt, sondern das Weichgespülte diplomatisch aufbügelt und die Intelligenz der Zuschauer zu beleidigen versucht. Da passt zusammen, was zusammengehört.

Höflich grüßt
Volker Bräutigam

z.K.
Herrn NDR-Intendant Lutz Marmor
p. E-Mail l.marmor@ndr.de.

»Volker Bräutigam war von 1975 bis 1985 Redakteur in der Tagesschau-Zentrale Hamburg und auch danach noch, bis 1995, beim öffentlich-rechtlichen NDR (in der Hauptabteilung Kultur) als Journalist tätig. Er schreibt heute für die Politik-Zeitschrift Ossietzky. Als Nachfolgerin der "Weltbühne" orientiert sie sich strikt an diesem Vorbild. (s.a.»http://ossietzky.net). 

Grafik: © ChrisHamburg / Wikimedia