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Betreff: Programmbeschwerde: Immer droht nur der Russe
Datum: 03. März 2018 um 20:18:28 MEZ
An: "NDR RR VWR" »gremienbuero@ndr.de

 



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Programmbeschwerde: Immer droht nur der Russe

von Volker Bräutigam* & Friedhelm Klinkhammer**

Sehr geehrte Rundfunkräte,

ausführlich hat ARD-aktuell über Präsident Putins Rede zur Lage der russischen Nation berichtet und sich dabei auf die neuen Waffensysteme konzentriert, mit denen Russland beansprucht, den USA nunmehr etwas „Unschlagbares“ entgegensetzen zu können.

Dass Putin diese Machtdemonstration wiederholt mit Hinweisen verband, es handle sich um eine Reaktion auf die Vorgehensweise der USA und der NATO, eine Angriffsabsicht habe Russland aber nicht, blieb hingegen weitgehend außer Betracht.

Wie verfälschend die Darstellung der ARD-aktuell war, zeigt sich in ihrem, in mehreren Formaten, erhobenen Vorwurf, Russland vollziehe damit einen Rückfall in den Kalten Krieg, heize das Wettrüsten an und verletzte Abrüstungsverträge bzw. Abkommen zur nuklearen Rüstungskontrolle.

Dass diese Vorwürfe objektiv unberechtigt sind, weil US-Präsident George W. Bush bereits im Jahr 2002 das Monopol auf nukleare Erstschläge schon beim bloßen Verdacht einer künftig möglichen Bedrohung durch Dritte beansprucht hatte, blieb in der gesamten vom historischen Kontext bereinigten Darstellung der ARD-aktuell unberücksichtigt. Man kann von Informationsunterschlagung sprechen, weil Putin am gleichen Tag, dem 2.März, im US-Fernsehen nachdrücklich die Verantwortlichkeit der USA für das „Wettrüsten“ hervorgehoben hatte. Quelle u.a.:

»https://youtu.be/TN8GpOSX3gg

Putins Sicht der Dinge wurde einfach nicht erwähnt.

Laut Programmauftrag haben die Informationssendungen der ARD-aktuell den Bürger zu befähigen, sich eigenständig ein sachgerechtes Urteil über das Weltgeschehen zu bilden. Das kann dem jedoch nicht gelingen, wenn er sich nur auf Informationen der ARD-aktuell stützt und diese konsequent alles weg-filtern, was im geopolitischen Konflikt gegen die USA und für Russland sprechen könnte.

Der Verstoß gegen Programmauftrag und Programmrichtlinien (Objektivitätsgebot, Vollständigkeitsgebot, Neutralitätsgebot, Gebot, zur Völkerverständigung beizutragen, Verpflichtung auf „anerkannte journalistische Grundsätze“) ist mit dieser Berichterstattung erneut offenkundig. Wir unterstellen bewusstes gesetzwidriges Handeln, ARD-aktuell bewährt sich in der Rolle des kriegstreiberischen Agitators.

Mit freundlichen Grüßen
»Volker Bräutigam & Friedhelm Klinkhammer

»*Volker Bräutigam war von 1975 bis 1985 Redakteur in der Tagesschau-Zentrale Hamburg und auch danach noch, bis 1995, beim öffentlich-rechtlichen NDR (in der Hauptabteilung Kultur) als Journalist tätig. Er schreibt heute für die Politik-Zeitschrift Ossietzky. Als Nachfolgerin der "Weltbühne" orientiert sie sich strikt an diesem Vorbild. (s.a.»http://ossietzky.net). 

**Friedhelm Klinkhammer war langjähriger Gesamtpersonalvorsitzender des NDR

Quellenangaben:

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